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Menopause und Darmgesundheit: Was die Wechseljahre mit der Darmbarriere machen können

4. Sept.
5 Min. Lesezeit

Blähungen, Verstopfung oder plötzlich eine empfindlichere Verdauung: Viele Frauen berichten, dass sich ihr Darm während der Wechseljahre verändert. Doch was haben die hormonellen Veränderungen tatsächlich mit unserer Darmgesundheit zu tun?


Eine neue große Langzeitstudie liefert dazu spannende Hinweise. Forschende untersuchten 964 Frauen vor, während und nach der Menopause und stellten fest, dass bestimmte Marker, die mit der Darmbarriere zusammenhängen, während des Übergangs in die Menopause anstiegen.


Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass Frauen in den Wechseljahren einen sogenannten „Leaky Gut“ entwickeln. Schauen wir uns genauer an, was die Studie tatsächlich zeigt.


Menopause Darmbarriere

Was ist die Darmbarriere überhaupt?

Unser Darm muss zwei scheinbar gegensätzliche Aufgaben erfüllen: Einerseits sollen Nährstoffe aus unserer Nahrung aufgenommen werden. Andererseits sollen unerwünschte Stoffe und Mikroorganismen möglichst nicht unkontrolliert aus dem Darm in den Körper gelangen. Dabei hilft die Darmbarriere.


Zu ihr gehören unter anderem:

  • die Schleimschicht des Darms

  • die Darmepithelzellen

  • Verbindungen zwischen diesen Zellen, sogenannte Tight Junctions

  • Teile unseres Immunsystems

  • indirekt auch unser Darmmikrobiom


Ist diese Barriere beeinträchtigt, können Bestandteile von Mikroorganismen leichter mit dem Immunsystem in Kontakt kommen. In der Forschung spricht man beispielsweise von einer erhöhten intestinalen Permeabilität oder einer beeinträchtigten Darmbarriere.

Umgangssprachlich wird dafür häufig der Begriff „Leaky Gut“ verwendet.

Genau hier ist jedoch etwas Vorsicht notwendig.


Ist „Leaky Gut“ eine Diagnose?

Der Begriff „Leaky Gut“ wird online mittlerweile für eine Vielzahl von Beschwerden verwendet, von Blähungen und Müdigkeit bis hin zu Hautproblemen.

Wissenschaftlich ist die Situation deutlich differenzierter.


Eine erhöhte Darmdurchlässigkeit ist ein reales biologisches Phänomen, das beispielsweise im Zusammenhang mit bestimmten Erkrankungen und körperlichen Belastungen untersucht wird. „Leaky Gut“ ist aber nicht automatisch eine eigenständige Diagnose, die sich aus unspezifischen Beschwerden ableiten lässt.


Das ist auch für die neue Menopause-Studie wichtig.

Die Forschenden haben nämlich nicht festgestellt, dass 964 Frauen plötzlich mit „Leaky Gut“ diagnostiziert wurden. Sie haben bestimmte Marker im Blut gemessen, die Hinweise auf Veränderungen der Darmbarriere geben können.


Die neue Studie: Was wurde untersucht?

Die 2026 im Journal of Clinical Investigation veröffentlichte Studie untersuchte Daten von 964 Frauen aus der großen amerikanischen SWAN-Kohorte. Der große Vorteil dieser Untersuchung: Die Frauen wurden nicht nur zu einem einzigen Zeitpunkt untersucht.


Insgesamt standen 3.586 Messzeitpunkte vor, während und nach dem Übergang in die Menopause zur Verfügung. Dadurch konnten die Forschenden beobachten, wie sich bestimmte Werte rund um die letzte Menstruation über mehrere Jahre hinweg entwickelten.

Im Mittelpunkt standen zwei Blutmarker:


FABP2

FABP2 (Fatty Acid Binding Protein 2) kommt vor allem in den Zellen der Darmschleimhaut vor. Wird das Darmepithel geschädigt, kann mehr davon ins Blut gelangen.

Ein Anstieg kann deshalb als Hinweis auf eine Beeinträchtigung des Darmepithels betrachtet werden.


sCD14

sCD14 (soluble CD14) steht wiederum mit der Immunreaktion auf mikrobielle Bestandteile wie Lipopolysaccharide, kurz LPS, in Verbindung.


Vereinfacht gesagt wollten die Forschenden also wissen:

Verändert sich rund um die Menopause nicht nur unser Hormonhaushalt, sondern möglicherweise auch die Darmbarriere?


Was kam dabei heraus?

Vor dem Übergang in die Menopause blieben die untersuchten Marker relativ stabil.

Etwa 2,5 Jahre vor der letzten Menstruation begann FABP2 anzusteigen. Rund sechs Monate später begann auch sCD14 zuzunehmen. Dieser Anstieg setzte sich mehrere Jahre fort.


FABP2 erreichte ungefähr sechs Jahre nach der letzten Menstruation seinen höchsten Wert, sCD14 etwa ein halbes Jahr später. Danach stabilisierten sich die Werte wieder.

Über diesen Zeitraum stieg FABP2 insgesamt um etwa 26 %, sCD14 um rund 7,5 %.

Das Spannende daran ist vor allem der zeitliche Verlauf: Die Werte stiegen nicht einfach kontinuierlich mit zunehmendem Alter an, sondern die stärkere Veränderung konzentrierte sich auf die Jahre rund um die Menopause.


Das spricht dafür, dass nicht ausschließlich das normale Älterwerden eine Rolle spielen könnte, sondern möglicherweise auch die hormonellen Veränderungen der Menopause.


Welche Rolle spielt Östrogen für den Darm?

Während der Wechseljahre sinkt insbesondere die Produktion des Sexualhormons Östradiol, einer wichtigen Form von Östrogen.

Aus experimentellen Studien wissen wir bereits, dass Sexualhormone wie Östradiol und Progesteron an verschiedenen Prozessen beteiligt sind, die für Schleimhäute und Barrierefunktionen wichtig sind.


Unter anderem gibt es Hinweise darauf, dass Östrogen:

  • Darmepithelzellen beeinflusst

  • an der Regulation von Zellverbindungen beteiligt sein kann

  • Schleimhautzellen vor bestimmten Schäden schützen kann

  • Immunreaktionen beeinflusst


Die Forschenden vermuten deshalb, dass der Rückgang der Eierstockhormone während der Menopause möglicherweise zu den beobachteten Veränderungen der Darmbarriere beiträgt.


Bewiesen ist dieser Mechanismus beim Menschen damit allerdings noch nicht.


Menopause = Leaky Gut?

Nein. Und das ist wahrscheinlich die wichtigste Erkenntnis aus der Studie.

Die Untersuchung zeigt einen Zusammenhang zwischen dem Übergang in die Menopause und dem Anstieg bestimmter Marker einer beeinträchtigten Darmbarriere.


Sie zeigt nicht, dass:

  • jede Frau in den Wechseljahren einen „Leaky Gut“ entwickelt,

  • diese Veränderungen automatisch Beschwerden verursachen,

  • die Darmbarriere die Ursache typischer Wechseljahresbeschwerden ist,

  • Probiotika oder Nahrungsergänzungsmittel diese Veränderungen verhindern,

  • oder eine Hormonersatztherapie die Darmbarriere „repariert“.


Die Autor:innen der Studie und ein dazu veröffentlichter wissenschaftlicher Kommentar betonen vielmehr, dass genau diese Fragen nun weiter untersucht werden müssen.


Warum ist die Studie trotzdem so spannend?

Weil sie einen möglichen biologischen Zusammenhang sichtbar macht, der bisher beim Menschen nur wenig untersucht wurde.


Die Menopause betrifft schließlich nicht nur Zyklus und Fruchtbarkeit.

Östrogenrezeptoren befinden sich in zahlreichen Geweben unseres Körpers und der hormonelle Wandel kann unter anderem Knochen, Stoffwechsel, Herz-Kreislauf-System und Körperzusammensetzung beeinflussen.


Nun gibt es zunehmend Hinweise darauf, dass auch der Darm Teil dieser Veränderungen sein könnte.


Besonders spannend ist das, weil eine beeinträchtigte Darmbarriere mit Immunaktivierung und niedriggradigen Entzündungsprozessen in Verbindung gebracht wird.

Die große Frage für zukünftige Forschung lautet deshalb: Könnten Veränderungen der Darmbarriere einen Teil der gesundheitlichen Veränderungen erklären, die wir rund um die Menopause beobachten?


Darauf gibt es aktuell noch keine eindeutige Antwort.


Und was ist mit Blähungen und Verdauungsproblemen in den Wechseljahren?

Viele Frauen berichten während der Perimenopause und Menopause über Veränderungen ihrer Verdauung.


Dazu können beispielsweise gehören:

  • Blähungen und ein aufgeblähter Bauch

  • Verstopfung

  • Durchfall

  • Bauchschmerzen

  • veränderte Stuhlgewohnheiten


Verdauungsprobleme können jedoch viele verschiedene Ursachen haben. Neben hormonellen Veränderungen können beispielsweise Ernährung, Stress, Medikamente, Darmmotilität, das Mikrobiom oder bestehende Erkrankungen eine Rolle spielen.


Der Darm könnte bei der Menopause stärker mitspielen als bisher gedacht

Die neue Studie liefert einen spannenden Hinweis darauf, dass sich während des Übergangs in die Menopause auch unsere Darmbarriere verändern könnte.

Bei 964 Frauen stiegen bestimmte Marker für Darmepithelschädigung und die Reaktion auf mikrobielle Bestandteile gezielt in den Jahren rund um die letzte Menstruation an.

Das ist ein wichtiger neuer Forschungsansatz.


Hormone und Darm scheinen enger miteinander verbunden zu sein, als wir lange angenommen haben, und wir beginnen gerade erst zu verstehen, was das für Frauen während der Wechseljahre bedeutet.


Mehr Artikel zum Thema Darmgesundheit findest du hier.


Quellen

Shieh A, Epeldegui M, Karlamangla AS, et al. Markers of compromised gut epithelial barrier integrity increase during the menopause transition. Journal of Clinical Investigation. 2026;136(17):e205059. Erstveröffentlichung: 9. Juli 2026.

Peters BA. Menopause and “leaky gut”: implications for midlife women’s health. Journal of Clinical Investigation. 2026;136(17):e209807. Veröffentlicht am 1. September 2026.


Dieser Artikel dient ausschließlich der Wissensvermittlung und ersetzt keine medizinische Beratung, Diagnose oder Therapie. Bei anhaltenden oder neu auftretenden Beschwerden wende dich bitte an eine Ärztin oder einen Arzt.

 
 
 

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